Rückblick: Offene Ganztagsschule in Schäftlarn

REFERENTINNEN UND REFERENTEN:

  • Bildungsreferentin Dr. Patricia Lang-Knieser
  • Geschäftsführer des Kinder- und Jugendfördervereins Wolfratshausen Fritz Meixner

Am Mittwoch, den 11. Februar 2026 lud der Ortsverband zur Veranstaltung „Offene Ganztagsschule in Schäftlarn“ in die Schreinerei Lankes im Niederried in Hohenschäftlarn ein. Für das Catering war der Food Truck “Power People” gekommen, bei dem frische Smoothies und Bowls bestellt werden konnten. Rund 20 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung, auch einige Mitglieder der Schulfamilie waren darunter. Wegen einer Parallelveranstaltung in der Schule konnte der Leiter der Schäftlarner Grundschule, Herr Prechter, leider nicht dabei sein.


Moderiert wurde der Abend von der Journalistin und GRÜNEN-Listenkandidatin Miriam Gebhardt. Nach einleitenden Worten von Gemeinderat und GRÜNEN-Bürgermeisterkandidat Fabian Blomeyer wurden die beiden Gäste begrüßt.

Die freiberufliche Bildungsreferentin Frau Patricia Lang-Knieser ist Fachbereichsleiterin für Kinder und Jugend in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, hat als pädagogische Fachkraft bzw. Leitung in diversen Kitas gearbeitet und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz.

Herr Fritz Meixner ist Geschäftsführer des Kinder- und Jugendfördervereins (KJFV) und Bildungsreferent bei der Stadt Wolfratshausen und in dieser Funktion in engem Austausch mit den Nachbargemeinden, Schulleitungen, weiterführenden Schulen und Elternvertreter*innen. Der KJFV ist auch Kooperationspartner der OGS an der Mittelschule Wolfratshausen.

Die hohe Fachexpertise der beiden Gäste bescherte einen Abend, der dicht gepackt war mit Informationen, die sich so manche*r der anwesenden Gemeinderät*innen schon früher gewünscht hätten. Was sie sich auch gewünscht hätten: Dass alle Gemeinderäte sowie die Verwaltung den Abend besucht hätten. Oder dass ein Abend mit solch hochkarätigen Fachleuten mal im Rathaus stattgefunden hätte.

Aber der Reihe nach: Warum wollen wir eine OGS einführen? Wir haben doch schon den Hort und die Schülermittagsbetreuung (SMB) an der Grundschule?

Grundsätzlich besteht, wie bekannt, ein Rechtsanspruch für Eltern auf Ganztagsbetreuung ihrer Grundschulkinder. In welcher Form (Hort, OGS oder SMB) dieser umgesetzt wird, obliegt der Gemeinde.

Der Unterschied liegt

  • im Betreuungsumfang: ab 2026 muss ein Kind an 5 Werktagen 8 Stunden betreut werden (schrittweise ab 1. Klasse).
  • in der Zuständigkeit für das Angebot, im Fall der OGS wäre das die Schulleitung bzw. Schulfamilie.
  • der Förderung bzw. den Kosten für die Gemeinde: Im Fall der OGS wird eine feste Fördersumme pro 12 Kinder ausgezahlt, bei Hort oder SMB ist es eine feste Summe pro Platz.
  • in den Kosten für Eltern: Die OGS wäre für Eltern kostenlos (außer Mittagessen), Hort und SMB kosten je nach Buchungszeit mehrere Hundert Euro pro Monat.
  • im Fachpersonal: Bei der OGS muss nur die Leitung eine pädagogische Fachkraft sein (wie bei der SMB). Beim Hort müssen alle Fachkräfte sein.
  • in der Schließzeit: Die OGS darf nur max. 4 Wochen pro Jahr geschlossen sein.
  • in der verbindlichen Anmeldung: die OGS ist für ein ganzes Schuljahr zu buchen.

Wie Herr Meixner anschaulich erläuterte: Der Hort ist “der Mercedes unter den Betreuungen”, die SMB der Fiat Punto und die OGS liegt irgendwo dazwischen.

Den Eltern könnte die OGS ein gutes Gefühl vermitteln, sie hätten nur noch einen Ansprechpartner und wüssten ihre Kinder den ganzen Tag betreut, ohne dass das Kind den Ort wechseln muss. Zudem ist die Betreuung kostenlos. Dies macht der Staat möglich, indem er die Finanzierung knapp bemisst. Zu knapp! Die Gemeinde muss sicherstellen, dass in der OGS nicht am Fachpersonal gespart wird und Budget zur Verfügung stellen, damit wir die hohe Qualität einer Hortbetreuung halten können.

Bei allen Vorteilen: Kinder würden anders wählen, wie Frau Lang-Knieser erläuterte, Eltern treffen die Entscheidung über die Betreuung. Daher ist es umso wichtiger, dass für alle Kinder, so verschieden ihre Bedürfnisse auch sind, eine Atmosphäre geschaffen wird, in der sie sich wohlfühlen und wo sie nicht nur aufbewahrt werden.
Ein durchdachtes Raumkonzept ist hier der Schlüssel. Einen Klassenraum zum nachmittäglichen Ruheraum zu machen, funktioniert in der Praxis nicht, wie Herr Meixner warnte. Wir Eltern gingen nach Feierabend auch nicht mehr an den Arbeitsplatz zurück. Auch die Idee des Einbindens der örtlichen Vereine liest sich auf dem Papier sehr einfach, ist es aber in der Praxis oft nicht. Zum einen sind viele Vereinspartner tagsüber nicht verfügbar, zum anderen wäre zu klären, welche Kinder dann an dem Angebot teilnehmen dürften.

Wie geht es jetzt weiter? Wichtig ist, den Schulleiter bzw. die Schulfamilie einzubinden und auf diese zuzugehen. Dann sollte ein Leistungskatalog/-konzept erstellt werden und geeignete Träger angefragt werden. Ein wichtiges Kriterium der Trägerauswahl wäre die Ferienabdeckung, da diese sich erheblich unterscheiden kann. Hierzu müsste der Bedarf der (zukünftigen) Kinder abgefragt werden, z. B. über eine Umfrage in den Schäftlarner Kitas.

Neben diesen Aufgaben wartet auch noch der Bau einer Mensa auf die Gemeinde – es wird also nicht langweilig. Packen wir’s endlich an!

Weitere Informationen:

  1. https://www.km.bayern.de/gestalten/ganztagsschule
  2. https://www.stmas.bayern.de/ganztagsbetreuung/rahmenbedingungen/index.php
  3. https://www.verkuendung-bayern.de/baymbl/2026-49/