Liebesbrief an die Schäftlarner*innen

Liebe Schäftlarner*innen,

mein Name ist Marcel Tonnar, ich bin in Schäftlarn aufgewachsen, bin hier zuerst in den Kindergarten, dann in die Grundschule gegangen. Nach ein paar Lehr- und Wanderjahren durch diverse Schulen – unter anderem am Gymnasium Schäftlarn –  habe ich mein Fachabitur an der FOS in Bad Tölz gemacht.

Als ich vor ca. 40 Jahren in den Kindergarten St. Georg kam, trat meine damalige Erzieherin gleichzeitig ihre erste Arbeitsstelle an. Als sie vor einigen Jahren in den wohlverdienten Ruhestand ging, wurde sie von meinem jüngsten Sohn Miguel „hinausbegleitet“ – hier schließt sich der Kreis, so lebt und wohnt man in Schäftlarn, so soll es sein: Man kennt sich und dies muss auch so bleiben.

Meine Eltern und meine beiden Schwestern wohnen ebenfalls hier in Schäftlarn. Hier bin ich verwurzelt und hier engagiere ich mich seit 1982 aktiv in einigen Vereinen:

  • Die Blaskapelle Hohenschäftlarn habe ich im Alter von zwölf Jahren mitbegründet. Nach einer längeren Pause (zum Leidwesen meiner Mitspieler) bin ich nun wieder mit viel Spaß und Freude dabei.
  • Kolpingfamilie Ich bin seit 2011 aktives Mitglied der Schäftlarner Kolpingfamilie. Im nächsten Jahr planen wir für Anfang September einen gemeinsamen Ausflug nach Arta Terme in Italien.
  • Pfarrgemeinderat. 2018 wurde ich in den katholischen Pfarrgemeinderat Hohenschäftlarn gewählt.
  • Bürgerkraft Isartal Seit vielen Jahren liegt mir der Klimaschutz und die Energiewende sehr am Herzen. Seit 2019 bin ich deshalb erster Vorstand dieses gemeinnützigen Vereins.
  • Im TSV Schäftlarn spiele ich regelmäßig Volleyball.

Nach dem Abitur habe ich Energie-, Wärme- und Umwelttechnik an der FH studiert und mein Studium mit einem Diplom abgeschlossen. Meine Diplomarbeit habe ich in Andalusien beim größten solaren Forschungszentrum Europas, beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, geschrieben. Anschließend bin ich im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal in Spanien hängen geblieben:  Dort habe ich auch meine Frau Nieves kennengelernt.

Beruflich bin ich der regenerativen Energietechnik all die Jahre treu geblieben. Ich habe in leitenden Positionen für deutsche Firmen gearbeitet und große und kleine Projekte umgesetzt. Parallel dazu habe ich immer mein eigenes Ingenieurbüro betrieben. Inzwischen bin ich beruflich nur noch in meinem eigenen Ingenieurbüro tätig.

Und falls Sie künftig spanischen Wein trinken, sind bestimmt einige Weinflaschen dabei, bei denen in den diversen Reinigungs- und Abfüllprozessen fast hundert Prozent Solarenergie genutzt wurde. Solche Anlagen habe ich unter anderem in Spanien geplant und gebaut.

In meinem beruflichen Kontext bin ich Mitglied bei aktivplus e.V.: Das ist ein Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, mit einem Haus mehr Energie herzustellen, als es in seinem Leben verbraucht, indem es ressourcenschonendes Bauen mit energiesparender Technik verbindet und den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Ich bin außerdem beratend tätig im nachhaltigen Bau von Sportstätten sowie Lehrbeauftragter der Technischen Hochschule München. Ich habe unter anderem mit einem Team eine Energieberater-App entwickelt. Zurzeit bin ich hauptsächlich mit drei Partnerbüros energieberatend im Projektgeschäft aktiv. Wir beraten zum Beispiel die größte Batteriefabrik Deutschlands in Thüringen, verschiedene Krankenhäuser und Wohnungsbauten und unterstützen ein Büro-/Fabrikgebäude in Puchheim bei der Planung. Ein anderes Bürogebäude wurde vor kurzem in Wolfratshausen fertiggestellt.

Ziel ist bei allen Projekten, mit regenerativen und alternativen Energien zu klimatisieren und sinnvoll zu bauen, um möglichst wenig Energie im Betrieb zu verbrauchen. Dies geschieht in der Regel durch Fernwärme, Photovoltaik, Geothermie, Holzheizung oder auch mit Energie aus Flüssen und Brunnen. Wichtig sind dabei natürlich auch auch die Materialien, die in einem Haus verbaut werden.

Ein anderes schönes Projekt ist das Museumsdepot in Wasserburg. Hier war es für mich wichtig, dass die Gemeinde möglichst geringe Entstehungs-und Folgekosten hat. Den Gemeinderat konnte ich mit einem regenerativen Konzept überzeugen, welches außerdem wesentlich günstiger war als die Konzepte der Mitbewerber.

Mein Bestreben: Als zukunftsorientierter Mensch betrachte ich es als eine Verpflichtung, nicht politisch kurzfristig zu denken, sondern langfristig vorausschauend – in ökonomischer, ökologischer und sozialverträglicher Hinsicht.

 Meine Impulse für die Zukunft von Schäftlarn

Schäftlarn ist einzigartig und liegt wunderschön – sehr viel schöner lässt es sich wohl kaum wohnen als hier im Isartal am Fuße der Alpen. Aber der Druck auf unsere Gemeinde ist groß und so müssen wir versuchen, uns dem Druck der äußeren Einflüsse entgegenzustemmen. Gleichzeitig muss es uns gelingen, sozial stärker zu werden, so dass jede*r in seiner Heimat, in unserem Schäftlarn leben, wohnen, arbeiten und alt werden kann und darf. Hierfür benötigen wir neue mutige und langfristige Konzepte.

  • Die Überfüllung sämtlicher Verkehrswege kann durch eine Reduzierung der Benutzung entlastet werden, zum Beispiel, indem wir den Ausbau gemeinschaftlicher Büroflächen oder Working Spaces (Arbeitsplätze) forcieren und Homeoffice unterstützen. Hierzu ist eine hundertprozentige digitale Infrastruktur und Glasfaser bis in alle Haushalte notwendig. Ein schöner Nebeneffekt: Die durch kurze Arbeitswege eingesparte Zeit lassen den Einzelnen mehr Zeit für die Familie oder ein Ehrenamt.
  • Unsere Gemeinde darf sich nicht auf Kosten anderer bereichern. Ich strebe daher eine „Fairtrade-Gemeinde“ an; ich will die Direktvermarktung von Lebensmitteln in unserer Umgebung ausbauen und fördern.
  • Vereine und ehrenamtliche Tätigkeiten müssen optimal unterstützt, Synergien zusammengeführt und ausgebaut werden, denn sie sind das Rückgrat unseres Dorfes.
  • Die Jugendlichen sind unsere Zukunft, deshalb möchte ich mich besonders um sie kümmern. Wir dürfen zum Beispiel nicht noch weitere 25 Jahre auf den Neubau der Turnhalle warten.
  • Unsere Lunge, die Natur, muss vorbereitet sein für anstehende extrem heiße trockene Sommer und trockene Winter. Hier will ich gemeinsam mit den Landwirten intensiv gemeinschaftliche Konzepte entwickeln. Blühwiesen, Büsche und Obstalleen runden dies nur ab.
  • Ein weiter wichtiger Punkt für mich ist die Energie in Schäftlarn. Wir können und müssen mehr regenerative Energie im Dorf erzeugen als wir verbrauchen. Nur so können wir in diesem Bereich einen neutralen ökologischen Fußabdruck in unserer Welt, in unserem Ort, hinterlassen. Allein mit unseren Dächern könnten wir einen wesentlichen Beitrag leisten, außerdem durch lokale kleine Fernwärmenetze, Blockheizkraftwerke und Energieeinsparungen.
  • Fahrradwege, der öffentliche Nahverkehr, die Sicherheit auf den Straßen, nicht nur für unsere Kinder, möchte ich zukunftsorientiert und einvernehmlich für alle Verkehrsteilnehmer lösen. Hier will ich intensiv und konstruktiv mit unseren Nachbargemeinden zusammenarbeiten.
  • Ein persönliches Anliegen von mir ist die Umsetzung eines Mehrgenerationenhauses in Zusammenarbeit mit den Kirchen vor Ort.

Ich denke und plane wirtschaftlich, ökologisch und sozialverträglich. Ich liebe Schäftlarn! Und ich glaube, dass ich ein guter Bürgermeister für  Schäftlarn sein werde. Deshalb bitte ich Sie am 15. März 2020 um Ihre Stimme.

Herzlichst,

Ihr

Marcel Tonnar